Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Anwesende,
heute ist ein besonderer Tag. Was lange geplant, diskutiert und vorbereitet wurde, soll nun endlich beschlossen und auf den Weg gebracht werden. Das ist alles andere als selbstverständlich – und deshalb gilt mein erster und ausdrücklicher Dank all denjenigen, die dieses Projekt mit so viel Engagement vorangebracht haben.
Mein Dank gilt der Verwaltung, die dieses komplexe Vorhaben mit großer Fachlichkeit und Ausdauer begleitet hat. Mein Dank gilt den Planerinnen und Planern, den pädagogischen Expertinnen und Experten, den politischen Gremien – und nicht zuletzt all den Menschen, die im Hintergrund daran gearbeitet haben, dass wir heute diese Entscheidung treffen können.
Denn worüber wir heute sprechen, ist kein gewöhnliches Bauprojekt. Wir sprechen über den Schulcampus einer Gemeinschaftsschule ausgelegt für 1600 Schülerinnen und Schüler. Aber nicht nur Schulklassen wird es auf diesem Campus geben. Zwei Sporthallen, einen Kinder- und Jugendtreff sowie großzügige Außenanlagen runden das Areal ab. Es ist das größte Schulbauprojekt unserer Stadt seit der Staudingerschule mit einem Gesamtvolumen von rund 186,5 Millionen Euro. Aber, hier geht es um mehr als bloße Infrastruktur, Statistik und Flächen. Es geht um die zentrale Frage: Welche Schule wollen wir für die Zukunft unserer Stadt? Und ich finde, wir können heute mit großer Klarheit sagen: Die Entscheidung, in Dietenbach eine Gemeinschaftsschule zu etablieren, war nicht nur richtig – sie war vorausschauend, mutig und heute mehr denn je bestätigt. Vielleicht war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht in vollem Umfang absehbar, wie stark die Nachfrage nach dieser Schulform einmal sein würde. Doch die Realität hat uns längst eingeholt – und sie spricht eine sehr deutliche Sprache:
Die Anmeldezahlen für Gemeinschaftsschulen steigen massiv. Das zeigen auch die Zahlen vormals bestehender Realschulen in Freiburg, die sich auf den Weg gemacht haben, eine Gemeinschaftsschule zu werden. Bereits jetzt müssen Schülerinnen und Schüler abgewiesen werden, weil die vorhandenen Kapazitäten bei Weitem nicht ausreichen – ein Zustand, der den tatsächlichen Bedarf unmissverständlich sichtbar macht. Eltern entscheiden sich ganz bewusst für diese Schulform. Das ist kein Zufall. Das ist ein klarer Beleg für den Erfolg dieser Schulform. Denn Gemeinschaftsschulen stehen für etwas, das viele Familien heute ganz bewusst suchen: längeres gemeinsames Lernen, individuelle Förderung und echte Bildungsgerechtigkeit. Sie stehen dafür, Kinder nicht früh zu sortieren, sondern ihnen Zeit zu geben, sich zu entwickeln. Sie stehen dafür, unterschiedliche Voraussetzungen nicht als Problem, sondern als Chance zu begreifen. Und sie stehen für eine Schule, die alle mitnimmt. Eine Schule, die von Anfang an Inklusiv ist! Und auch das sich Schulen aktiv entscheiden, diesen Weg zu gehen, zeigt: Dieses Konzept überzeugt – pädagogisch, aber auch gesellschaftlich.
Und genau deshalb war es so wichtig, in Dietenbach frühzeitig auf diese Schulform zu setzen.
Natürlich erinnern wir uns auch an die Diskussionen rund um den Tuniberg. Dort war ursprünglich ebenfalls eine Gemeinschaftsschule vorgesehen – später wurde diese Entscheidung jedoch wieder gekippt. Nun soll dort eine Verbundschule mit Gymnasium entstehen. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich keine neue Grundsatzdiskussion eröffnen. Aber man darf schon festhalten, dass sich die bildungspolitischen Rahmenbedingungen und auch die gesellschaftlichen Erwartungen in den vergangenen Jahren sichtbar verändert haben.
Gemeinschaftsschulen sind längst keine Nische mehr – sie sind ein zentraler Bestandteil einer modernen Bildungslandschaft. Der Campus in Dietenbach trägt genau diesem Wandel Rechnung. Er ist mehr als ein Schulstandort: ein Ort der Begegnung, des Sports, der Jugendarbeit – ein sozialer Anker für einen neuen Stadtteil. Und auch baulich setzen wir Maßstäbe: Ein moderner Lernort im Passivhausstandard, mit Photovoltaik, Dachbegrünung und innovativer Holz-Hybridbauweise. Vollständig barrierefrei, offen konzipiert, nachhaltig gedacht.
Auch dafür gilt mein ausdrücklicher Dank an alle Beteiligten, die dieses ganzheitliche Konzept möglich gemacht haben.
Ja, dieses Projekt ist teuer. Und ja, solche Summen verlangen uns politische Verantwortung ab.
Aber Bildung ist keine Ausgabe, die man möglichst klein halten sollte.
Bildung ist eine Investition – in Chancengleichheit, in sozialen Zusammenhalt und in die Zukunft unserer Stadt. Oder anders gesagt: Nicht in Bildung zu investieren, wäre am Ende deutlich teurer.
Vielen Dank.