Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,
wir wollen und können eine gewissen Enttäuschung an dieser Stelle nicht verhehlen. Der gesamte Umgang mit unserem Antrag für einen Quartiersraum im Schildacker in Form einer Versetzung des „Pavillon für alle“ war wirklich nicht optimal. Dass hier Fehler von Seiten der Verwaltung eingestanden werden, ist ein Trost – aber es ist ein kleiner Trost, angesichts des faktischen und drängenden Bedarfs im Quartier.
Enttäuscht sind wir daher vor allem vom Zwischenstand, den wir bis hierher erreichen konnten.
Schwer wiegt vor diesem Hintergrund, dass der „Pavillon für alle“ uns jetzt möglicherweise gar nicht mehr zur Verfügung stehen wird.
Schwer wiegt, dass wir im September möglicherweise nicht mehr aus allen Optionen auswählen können.
Und am schwersten wiegt am Ende, dass wir vielleicht sogar ganz ohne Lösung dastehen.
Auf der positiven Seite steht immerhin: Der Bedarf des Quartiers ist eindeutig festgestellt worden. Und fachlich wirklich schlechtere Lösungen wurden verworfen. Dafür möchte ich zunächst danken und bin froh, dass wir das in vielen Ausschusssitzungen ausdiskutiert haben.
Der „Pavillon für alle“ wäre aus unserer Sicht klar die beste Lösung gewesen, gerade auch in der Abwägung – und zwar aus vielen guten Gründen. Er passt zum Raumbedarf, er ist flexibel nutzbar, er hat wenig Flächenverbrauch und bringt viel sozialräumlichen Mehrwert. Er ist relativ günstig, er spendet zusätzlichen Schatten auf den trockenen Wiesen, und er ist ein Holzbau – konzeptionell passend zum Quartier.
Klar der „Pavillon für alle“ ist auch nicht umsonst zu haben – bzw. wäre nicht umsonst zu haben gewesen. Aber jede andere gute und bessere Lösung wird ebenfalls Geld kosten.
Wir haben auch weiterhin große Skepsis gegenüber der am Ende durch die Verwaltung sehr kurzfristig eingebrachten Kita-Lösung, mit einer kombinierten Nutzung und Raumteilung des bestehenden Bewegungsraums. Diese Lösung bedeutet den faktischen Verlust des Bewegungsraums im Alltag der Kita – noch dazu in einer inklusiven Kita mit drei Gruppen, wo dieser Bewegungsraum fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts ist. Die Kita-Lösunhg bringt viele zeitliche Nutzungskonflikte mit sich. Sie bringt Konflikte in Bezug auf Vertraulichkeit, Datenschutz und Sicherheit. Sie führt dadurch zu einer eingeschränkten Funktionalität, im Sinne der Kita UND im Sinne der Quartiersarbeit. Sie ist dadurch womöglich eine Lösung, in der alle verlieren und niemand gewinnt. Das können wir nicht wollen.
An dieser Stelle kurz ein paar grundsätzliche Sachen zur Quartiersarbeit. Quartiersarbeit ist für unsere Fraktion kein nice to have. Für uns ist sie einer der wesentlichen Bausteine kommunaler Sozialpolitik.
Quartiersarbeit kann Konflikten vorbeugen und sie bearbeiten. Quartiersarbeit kann Menschen vernetzen und dadurch ein Mehr schaffen. Quartiersarbeit kann Zugang zu Hilfe, zu sozialer Unterstützung und zu Bildung organisieren. Und Quartiersarbeit kann unsere Quartiere gegen rechte Rattenfänger und gegen Entsolidarisierung schützen.
Eine solche Quartiersarbeit braucht Raum – ausreichend Raum, flexiblen Raum, mitten im Quartier.
Wir werden heute die endgültige Entscheidung dazu verschieben, und haben dazu einen Antrag initiiert, der versucht mit den aufgeworfenen Fragen und Problemen konstruktiv umzugehen, trotz unserer Enttäuschung.
Aber, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Spätestens im September werden wir uns damit fachlich und final beschäftigen müssen.
Wenn Sie heute auf der Bürgermeisterbank sagen, es gäbe bessere Lösungen – dann müssen es auch faktisch bessere Lösungen sein. Wir sehen aktuell leider keine.
An diesem Anspruch werden wir sie im September messen – zusammen mit den Expertinnen und Experten des Alltags, aus der Kita, aus der Quartiersarbeit und aus dem Lokalverein.
Danke für die Aufmerksamkeit!