Worte kühlen keine Klassenzimmer – Jetzt müssen Taten folgen!

Porträtbild von Emriye Gül

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

liebe Anwesende,

wir entscheiden heute über die Sanierung der Reinhold-Schneider-Schule. Eine Schule, deren Sanierungsbedarf seit Jahren bekannt ist. Fenster, Fassade, Lüftung und energetische Ertüchtigung stehen ohnehin auf der Agenda. Genau deshalb bietet diese Vorlage die Chance, nicht nur die Gebäude zu sanieren, sondern eine Schule an die klimatischen Realitäten der kommenden Jahrzehnte anzupassen.

Denn eines fällt in den vergangenen Wochen auf: Selten hat es zu einem Thema einen derart breiten politischen Konsens gegeben wie beim Hitzeschutz in Schulen und KITAs. Wer die Anträge, Anfragen und Stellungnahmen der vergangenen Wochen liest, könnte fast den Überblick verlieren. Nahezu jede Fraktion fordert inzwischen Hitzeaktionspläne, Taskforces, Sofortmaßnahmen oder umfassende Strategien. Die Elternvertretungen ebenfalls. Das ist zunächst einmal erfreulich.

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass sich die Fraktionen inzwischen darin überbieten, wer den ambitioniertesten Hitzeschutz fordert. Und genau deshalb stellt sich heute weniger die Frage, ob wir handeln müssen, sondern vielmehr, ob wir bereit sind, unseren Worten auch Taten folgen zu lassen.

Auch für unsere Fraktion ist dieses Thema nicht neu. Bereits im vergangenen Haushalt haben wir zusätzliche Mittel für Verschattungsmaßnahmen und die Klimaanpassung auf Schulhöfen beantragt und dafür schließlich eine Mehrheit gefunden. Das war richtig. Aber es war eben auch nur ein zaghafter Anfang.

Denn der tatsächliche Bedarf an Verschattung, Begrünung und klimaangepassten Außen- sowie Innenanlagen ist deutlich größer. Hinzu kommt: Die zunehmende Hitze überrascht uns nicht.

Die Stadt selbst beschreibt in ihrer Klimaanpassungsstrategie seit Jahren die steigenden Belastungen durch Hitze und benennt Schulen und KITAs ausdrücklich als besonders schutzbedürftige Einrichtungen. Mit anderen Worten: Wir diskutieren heute nicht über eine neue Erkenntnis.

Wir diskutieren darüber, ob wir endlich die Konsequenzen aus einer Erkenntnis ziehen, die wir längst besitzen.

Gerade deshalb sollten wir aufhören so zu tun, als müssten wir zunächst noch beobachten, wie sich das Klima entwickelt. Das wissen wir bereits. Was wir jetzt brauchen, ist nicht mehr Erkenntnis, sondern mehr Umsetzung.

Und diese Umsetzung beginnt nicht erst mit dem nächsten Hitzesommer.

Sie beginnt bei jeder einzelnen Planungsentscheidung, die wir heute treffen. Dabei sollten wir eines nicht vergessen: Temperatur ist kein Komfortthema. Temperatur ist Gesundheitsschutz.

Das haben wir bereits nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erlebt. Damals wurde in vielen öffentlichen Gebäuden die Raumtemperatur abgesenkt, um Energie einzusparen. Schulen und Kindertageseinrichtungen wurden davon bewusst ausgenommen. Warum? Weil Kinder auf Temperaturbelastungen empfindlicher reagieren als Erwachsene.

Diese Erkenntnis gilt nicht nur für Kälte. Sie gilt genauso für Hitze. Der menschliche Organismus verfügt gegen Kälte über erstaunliche Schutzmechanismen. Unter besonderen Umständen wurden sogar Menschen mit einer Körperkerntemperatur von deutlich unter 20 Grad erfolgreich wiedererwärmt. Bei extremer Hitze sieht das anders aus. Bereits bei einer Körperkerntemperatur von etwa 42 Grad beginnen lebenswichtige Eiweiße ihre Struktur zu verlieren. Stoffwechselprozesse brechen zusammen, Organe versagen – ein Hitzeschlag wird innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich. Das macht deutlich: Hitzeschutz ist kein Luxus. Er ist Gesundheitsschutz. Gerade deshalb sollten wir die heutige Sanierung nicht ausschließlich unter energetischen oder denkmalpflegerischen Gesichtspunkten betrachten.

Der Beschluss heute ist die Gelegenheit, eine Schule so zu planen, dass sommerlicher Wärmeschutz, Verschattung, natürliche Lüftung und – dort, wo erforderlich – auch technische Kühlung von Anfang an mitgedacht werden.

Denn eines wäre kaum nachvollziehbar: Wenn wir heute Millionen in eine Schulsanierung investieren und in wenigen Jahren feststellen, dass genau jene Maßnahmen fehlen, über deren Notwendigkeit heute fraktionsübergreifend Einigkeit besteht.

Dann hätten wir nicht vorausschauend geplant. Dann würden wir lediglich teuer nachbessern.

Deshalb begrüßen wir den heute sichtbaren politischen Konsens ausdrücklich.

Wir werden ihn allerdings nicht an den Pressemitteilungen, den Anträgen oder den wohlklingenden Absichtserklärungen messen. Wir werden ihn an den kommenden Haushaltsberatungen messen.

Denn dort entscheidet sich, ob Hitzeschutz tatsächlich zur Priorität wird, oder ob er lediglich so lange Konjunktur hat, wie das Thermometer über 35 Grad steigt. Die Reinhold-Schneider-Schule bietet heute die Chance, zu zeigen, dass Freiburg aus seinen eigenen Erkenntnissen lernt. Nutzen wir sie.

Vielen Dank.